Gefährliche Medikamente und Flohmittel für Katzen
Warum Katzen viele Wirkstoffe schlecht abbauen
Um einen Wirkstoff loszuwerden, koppelt die Leber ihn oft an Glucuronsäure. Fachleute nennen das Glucuronidierung, danach ist der Stoff wasserlöslich und wird über Niere oder Galle ausgeschieden. Bei Katzen arbeitet dieser Weg für viele Stoffe nur eingeschränkt, weil das Gen für ein zentrales Enzym bei ihnen nicht mehr funktioniert. Manche Wirkstoffe bleiben deshalb lange im Körper, andere weichen auf Nebenwege aus, auf denen giftige Zwischenprodukte entstehen. Dazu kommt, dass Katzen sich ständig putzen. Was auf ihr Fell gelangt, landet früher oder später im Maul.
Schmerzmittel für Menschen
Paracetamol ist für Katzen eines der gefährlichsten Medikamente überhaupt, schon wenig davon kann tödlich enden. Innerhalb weniger Stunden verändert es den roten Blutfarbstoff so, dass er kaum noch Sauerstoff transportiert (Methämoglobinämie). Die Schleimhäute werden bräunlich oder bläulich, die Katze atmet schwer, Gesicht oder Pfoten schwellen an, später kann die Leber Schaden nehmen.
Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Diclofenac und Naproxen gehören zu den nichtsteroidalen Entzündungshemmern (Schmerzmittel ohne Kortison). Sie können bei Katzen Magen und Darm bis hin zu Geschwüren schädigen und die Nieren angreifen. Gefährlich sind auch Schmerzgele und Cremes. In den USA starben Katzen, nachdem sich ihre Menschen eine Schmerzcreme mit dem Wirkstoff Flurbiprofen auf die eigene Haut aufgetragen hatten. Hat deine Katze Schmerzen, verschreibt dir deine Tierärzt:in ein Mittel, das für Katzen zugelassen ist.
Floh- und Zeckenmittel für Hunde
Viele Spot-ons (Tropfen für den Nacken), Sprays, Halsbänder und Shampoos für Hunde enthalten Permethrin oder andere Pyrethroide, künstlich hergestellte Verwandte eines Wirkstoffs aus Chrysanthemen. Hunde vertragen sie bei richtiger Anwendung gut, für Katzen sind sie hochgiftig. Mittel für Hunde sind zudem deutlich stärker konzentriert, deshalb lässt sich eine Hundepipette auch nicht für die Katze teilen. In einem australischen Fallbericht erkrankte eine Katze, nachdem sie eine leere Pipettenverpackung abgeleckt hatte.
Meist trägt jemand ein Hundemittel versehentlich oder in guter Absicht auf die Katze auf. Ein Teil der Katzen nimmt den Wirkstoff aber auch von einem frisch behandelten Hund auf, mit dem sie kuschelt oder den sie putzt. Die Anzeichen beginnen meist nach wenigen Stunden, manchmal erst nach bis zu drei Tagen. Typisch sind Zucken, Muskelzittern, starkes Speicheln, weite Pupillen und Krampfanfälle, oft steigt auch die Körpertemperatur. Ohne Behandlung kann das tödlich enden, mit rascher tierärztlicher Hilfe erholen sich die meisten Katzen.
- Tierart prüfen: Verwende für deine Katze nur Mittel, auf deren Verpackung ausdrücklich die Katze genannt ist.
- Hund und Katze trennen: Halte deine Katze nach der Behandlung vom Hund fern, damit sie die Stelle weder berührt noch ableckt.
- Wohnung schützen: Auch Umgebungssprays gegen Flöhe können Pyrethroide enthalten, lass deine Katze erst nach dem Lüften wieder hinein.
Ätherische Öle und Teebaumöl
Teebaumöl gilt bei Menschen als Hausmittel für die Haut, für Katzen ist es giftig. Unter den ätherischen Ölen führt es bei Haustieren am häufigsten zu gemeldeten Vergiftungen, und Katzen reagieren besonders empfindlich, weil ihnen ein Enzym für den Abbau mancher Bestandteile fehlt. Gefährlich wird es vor allem, wenn unverdünntes Öl auf das Fell kommt, etwa gegen Flöhe. In einer Auswertung des amerikanischen Giftnotrufs ASPCA zeigten Tiere danach meist innerhalb von zwei bis zwölf Stunden Schwäche, Taumeln, Muskelzittern und Speicheln, junge und kleine Katzen traf es stärker. Auch Eukalyptus-, Wintergrün- und Poleiminzöl sind riskant.
Diffuser, die feine Tröpfchen versprühen, lassen das Öl auch auf dem Fell landen, andere Duftquellen reizen vor allem die Atemwege. Lass deiner Katze deshalb immer einen Raum ohne Duft.
Weitere Fallen im Haushalt
- Heruntergefallene Tabletten: Eine Tablette, die vom Tisch rollt, wird für eine Katze schnell zum Spielzeug. Heb sie sofort auf und bewahre Medikamente in einem Schrank auf, den deine Katze nicht öffnen kann.
- Antidepressiva: Manche Wirkstoffe sind für Katzen auffällig attraktiv, Fachleute der ASPCA beschreiben das etwa für Kapseln mit Venlafaxin.
- Haarwuchsmittel: Minoxidil ist für Katzen sehr gefährlich. In einer amerikanischen Studie wurden Katzen schwer krank, die nach dem Auftragen Kopfhaut, Kissen oder ihr eigenes bespritztes Fell abgeleckt hatten.
- Salben und Cremes: Was du auf deine Haut aufträgst, kann deine Katze beim Kuscheln ablecken. Deck behandelte Stellen ab und wasch dir nach dem Auftragen die Hände.
Woran du eine Vergiftung erkennst
Welche Zeichen auftreten, hängt vom Wirkstoff ab. Manche zeigen sich nach Minuten, andere erst nach Stunden oder Tagen, eine Katze, die noch normal wirkt, ist also nicht außer Gefahr.
| Wirkstoff | Typische Quelle | Häufige Zeichen |
|---|---|---|
| Paracetamol | Schmerz- und Fiebertabletten | Braune oder bläuliche Schleimhäute, Atemnot, geschwollenes Gesicht |
| Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Diclofenac | Tabletten, Schmerzgele | Erbrechen, Appetitlosigkeit, Mattigkeit |
| Permethrin und andere Pyrethroide | Spot-ons und Sprays für Hunde | Zucken, Zittern, Speicheln, Krämpfe |
| Teebaumöl und andere ätherische Öle | Hausmittel, Diffuser | Schwäche, Taumeln, Zittern, Speicheln |
| Minoxidil | Haarwuchsmittel | Erbrechen, Mattigkeit, schneller Herzschlag, Atemnot |
Im Notfall richtig handeln
- Sofort anrufen: Melde dich bei deiner Tierarztpraxis oder dem tierärztlichen Notdienst, auch wenn deine Katze noch unauffällig ist.
- Packung mitnehmen: Nimm Verpackung, Beipackzettel oder Pipette mit, damit die Praxis den Wirkstoff kennt, und sag, wann der Kontakt ungefähr war.
- Kein Erbrechen auslösen: Bei Katzen gibt es zu Hause keinen sicheren Weg dafür, und manche Hausmittel richten selbst Schaden an.
- Nichts selbst geben: Gib deiner Katze weder Milch noch Öl, Kohle oder ein Medikament, solange die Praxis es nicht ausdrücklich rät.
- Fell nur nach Rücksprache waschen: Ist ein Flohmittel oder Öl auf dem Fell, frag am Telefon, ob du es mit lauwarmem Wasser und mildem Spülmittel auswaschen sollst. Halte deine Katze danach warm, weil Kälte das Zittern verstärken kann.
Häufige Fragen
Darf ich meiner Katze Paracetamol oder Ibuprofen geben?
Nein, auch kein Stück einer Tablette. Paracetamol greift den roten Blutfarbstoff an, Ibuprofen schädigt Magen und Nieren, und beides kann deine Katze kaum ausscheiden. Hat sie Schmerzen oder Fieber, bekommt sie in der Tierarztpraxis ein Mittel, das für Katzen zugelassen ist. Hast du ihr schon etwas gegeben, ruf sofort dort an und sag, welches Mittel es war.
Wie lange muss ich meine Katze nach dem Flohmittel vom Hund fernhalten?
Maßgeblich ist die Frist in der Packungsbeilage des Mittels. Mindestens bis die behandelte Stelle ganz trocken ist, sollte deine Katze den Hund weder berühren noch ablecken, manche Beilagen nennen bis zu drei Tage. Am einfachsten behandelst du den Hund, während deine Katze in einem anderen Raum ist, und lässt die beiden erst nach Ablauf der Frist wieder zusammen.
Ist Teebaumöl für Katzen giftig?
Ja. Katzen reagieren auf Teebaumöl besonders empfindlich, weil ihre Leber einige Bestandteile kaum abbauen kann. Trag es deshalb nie auf ihr Fell auf, auch nicht als Hausmittel gegen Flöhe, und schau dir bei Shampoos und Pflegemitteln die Inhaltsstoffe an. Zeigt deine Katze nach einem Kontakt Schwäche, Taumeln oder Zittern, ruf deine Tierarztpraxis an.
Welches Flohmittel ist für Katzen sicher?
Am sichersten ist ein Mittel, das ausdrücklich für Katzen zugelassen ist und das du genau nach Packungsbeilage anwendest. Lass dich am besten in deiner Tierarztpraxis beraten, denn dort fließen auch Alter, Gewicht und Gesundheit deiner Katze in die Wahl ein. Hausmittel mit ätherischen Ölen sind keine sichere Alternative, gerade weil Katzen auf viele Öle empfindlich reagieren.
Fazit
Viele Vergiftungen mit Medikamenten, Flohmitteln und Ölen passieren aus Versehen oder in guter Absicht. Bewahre Medikamente sicher auf, verwende nur Mittel, die ausdrücklich für Katzen gedacht sind, und ruf bei einem Verdacht sofort an. Welche Lebensmittel und Pflanzen deiner Katze schaden, liest du im Ratgeber Giftige Lebensmittel und Pflanzen für Katzen, wann Erbrechen ernst wird, im Ratgeber Katze erbricht.
Dieser Ratgeber gibt Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Hat deine Katze ein Medikament, ein Flohmittel oder ätherisches Öl abbekommen, ruf sofort deine Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst an.
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